Für dieses Sprichwort findet man im täglichen Leben so viele Beispiele, dass man sich fragt, warum dem eigentlich so ist. Sicherlich hat jeder für einen älteren Mann Verständnis, wenn er sich mit einer jungen Frau, die sogar seine Tochter, manchmal auch seine Enkelin sein könnte, liiert. Hier fragt man sich weniger, warum er das tut, sondern wie er es geschafft hat. Und andere werden sich fragen, was die junge Frau wohl an dem alten Knacker finden mag. Noch extremer sind die Reaktionen, wenn sich eine alte Dame einen jungen Spund angelt. Nun ja, wo die Liebe eben hinfällt oder der Zweck die Mittel heiligt. Fakt ist, dass in einer solchen Beziehung jeder von dem profitiert, was er eben selbst noch nicht oder nicht mehr hat: Geld, Einfluss, Erfahrung, iPhone ohne Vertrag, Wissen oder Jugend, Unbeschwertheit, Kraft, Gesundheit und Schönheit. So könnte man vermuten, dass in diesen Gegensatz-Beziehungen eigentlich alles zu finden ist, was man sich im Leben wünscht.

Plissees in der Galerie Alte Meister

Wie perfekt sich Altes und Neues ergänzen können, erlebt man nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch in der Architektur, in der Mode und auch in der Musik. Nehmen wir z. B. die zerstörte Gedächtniskirche in Berlin, die als Lipstick und Puderdose den Ku’damm ziert. Oder wie klassische Musik als Schlager oder Rockballaden die Charts stürmen und umgekehrt. Ein weiteres Beispiel sieht man im Dresdner Zwinger, wo die schönen barocken Fenster mit modernen Plissees einen passenden Sonnenschutz und erhielten, der ihre Schönheit nicht verdeckt, sondern noch betont. Und diese sonst simplen Faltstores wirken hier so kunstvoll wie die filigranen Plissee-Kragen auf den Gemälden der Alten Meister.

Natürlich gelingt es nicht immer, Gegensätze dauerhaft und ästhetisch zu vereinen. Es bleibt nicht zuletzt auch immer einer Frage des Geschmackes, also ob einem die Plissee Gardinen überhaupt gefallen.